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Ausleitungsverfahren

Aktualisiert (Samstag, den 25. September 2010 um 11:10 Uhr)

Ausleitungsverfahren werden in unterschiedlichster Art in der Naturheilkunde angewendet - alle haben das Ziel, den Körper zu entlasten.

Ausleitende Verfahren sind eine Gruppe von Behandlungsmethoden, die zur Entgiftung der Körpersäfte dienen (lat. humores, Säfte). Diese Jahrtausende alten Erkenntnisse hat Paracelsus in einem seiner Lehrsätze zusammengefasst: "Wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe ausleeren. Und wo sie dies nicht selbst fertig bringt, dort mach' ein Loch in die Haut und lasse die schädlichen Stoffe heraus." 

Ausleitung ist die Entstauung eines Staugebietes mit der Ausscheidung der vorhandenen Schlackenstoffe am entsprechenden Ort nach draußen. Ziel dabei ist, den Organismus so zu entlasten, dass Funktionsstörungen aufgehoben werden und der Stoffwechsel wieder optimal funktionieren kann. Damit werden die ausleitenden Verfahren zu einer Basis-Therapie. 

Um Gift- und Schlackenstoffe auszuleiten, alte und chronische Prozesse zu lösen oder das Immunsystem und den Organismus anzuregen wende ich in meiner Praxis hauptsächlich folgende Verfahren an: 

  • Schröpftherapie
  • Baunscheidtieren
  • Cantharidenpflaster
  • Blutegeltherapie

 

SCHRÖPFTHERAPIE

Schroepfen01

Das Schröpfen ist eine uralte Methode, die schon bei den ältesten Naturvölkern angewandt wurde und in den Schriften von Hippokrates ausführlich beschrieben wurde. Mit dem Schröpfen können bei präziser Indikationsstellung hervorragende Ergebnisse erzielt werden - und auch bei klinisch erfolglos vorbehandelten Fällen werden noch überraschende Erfolge erreicht. 

Man unterscheidet das blutige und das unblutige (trockene) Schröpfen.

Während beim blutigen Schröpfen ein Zuviel an Energie abgeleitet wird, ist das unblutige Schröpfen energiezuführend und bewirkt, dass ein bestimmtes Organ wieder aktiviert wird. 

Beim trockenen Schröpfen wird ein Schröpfglas auf unversehrte Hautstellen gesetzt und dort ein Unterdruck erzeugt, um Schadstoffe über die Haut ab- bzw. auszuleiten. Der Unterdruck wird üblicherweise dadurch erreicht, dass die Luft im Schröpfkopf erhitzt und sofort auf die Rückenhaut des Patienten gesetzt wird. Alternativ kann der Unterdruck durch eine Absaugvorrichtung im Schröpfglas erzeugt werden.

Das unblutige Schröpfen ist vor allem ein Hautreizmittel mit einer optimalen Wirkung im Sinne einer Eigenblutbehandlung durch den erzeugten Bluterguss auf einer bestimmten Reflexzone. Durch das unblutige Schröpfen kann durch einen äußeren Hautreiz auf ein bestimmtes inneres Organ eingewirkt werden. 

Beim blutigen Schröpfen wird – ehe das Glas mit Unterdruck aufgesetzt wird – die Haut angeritzt. Damit zieht der Unterdruck das Blut verstärkt durch die Verletzungen heraus. 

Das blutige Schröpfen ist wie ein örtlicher Aderlass, das entzündungswidrig, schmerz- und krampfstillend, blutverdünnend und blutreinigend wirkt. Durch das blutige Schröpfen kann somit ein entscheidender Einfluss auf die gesamten Immunitätsvorgänge des Körpers genommen werden.

Die Indikationen für die Schröpftherapie sind: Apoplexie (Schlaganfall), Asthma (cardiale und bronchiale), Augenleiden verschiedener Genese, Bronchitis, Depressionen, Gallen- und Nierenkolik, Hypertonie/Hypotonie, Ischialgien, Kopfschmerz/Migräne, Kehlkopfentzündungen, Lebererkrankungen, Lumbago, Lungenkrankheiten, Magen- und Darmspasmen, Myogelosen, Neuralgien, Nierenkrankheiten, Ohrensausen/Tinnitus, rheumatische Beschwerden, klimakterische Beschwerden, Schwindel, Stauungen, Tonsillitis/Mandelentzündung,...

 

BAUNSCHEIDTIEREN

Baunscheitieren01

Das Baunscheidt-Verfahren wurde im Jahre 1848 durch den Ingenieur Carl Baunscheidt erfunden. Man verwendet ein Nadelgerät, später als Lebenswecker bezeichnet, und ein Hautreiz-Öl, welches die Quaddeln auf der Haut erzeugt. Dieser künstliche Hautausschlag dient zur Ausleitung von Schlackenstoffen des Lymphsystems aus dem Organismus.

Sehr gute Erfolge werden heute bei folgenden Hauptindikationen erzielt:

  • Schmerzen durch degenerative Veränderungen des Bewegungsapparates.
  • Allgemeine Infektanfälligkeit und chronische Infekte.
  • Akute und chronische Entzündungen: z.B. chron. Harnwegsinfekte im Bauchbereich, Reizmagen ("nervöse Gastritis"), Magenschwäche, exkretorische Pankreasschwäche, chron. Obstipation Reizkolon, etc.
  • psychische Erkrankungen ( Psychische Labilität, vegetative Dysregulationen, klimakterische Depressionen, Melancholie)
  • Bei Kindern: Infektanfällige Kinder mit z.B. chron. Tonsillitis, Enuresis und Impffolgen in Form von Gelenkbeschwerden und Adynamie.
  • Nach Aschner sind auch Schwindel und Ohrensausen Indikationen

Wirkungsweise

Beim Baunscheidtverfahren werden folgende Hauptwirkungen unterschieden:

  • Hyperämie: Anregung der Durchblutung.
  • Lymphdrainageeffekt: Anregung des Lymphflusses.
  • Immunsteigerung Wirkung: Aktivierung des Immunsystems durch die künstliche Entzündung (überwiegend sterile Eiterpusteln).
  • Tonisierung von "erschlafften" Organen und allgemein von geschwächten Menschen. Als tonisierendes Verfahren ist das Baunscheidtverfahren dem blutigen Schröpfen genau entgegengesetzt.
  • Wirkung auf das hormonale Geschehen über eine massive Stimulierung von Hautreflexzonen.

Hilfsmittel beim Baunscheidtverfahren

Da Baunscheidt sein "Original-Hautreizöl" mit ins Grab nahm, gibt es heute auf dem Markt mehrere Hautreizöle. Sie erzeugen allerdings eher Hautquaddeln oder ein lokales Reizödem. Nach Ansicht Aschners stellen sie lediglich als milde Variante des Baunscheidt-Verfahrens ein "Ableitungsmittel" aber kein "Ausleitungsmittel" im Sinne Baunscheidts dar. Aus diesem Grund existieren viele Öl und Salbenrezepte, die sich Heilpraktiker in langjähriger Erfahrung selbst zusammengestellt und von Apotheken mischen lassen.

Als Instrument zum Baunscheidtieren kann ein halbmechanischer (und sterilisierbarer) Hautstichler oder ein Spezialnadelroller (Stachelwalze) verwendet werden. Für kleine Areale kommen auch Blutlanzetten zum Einsatz.

Durchführung des Baunscheidtverfahrens

Vor der eigentlichen Prozedur werden evtl. vorkommende Haare auf dem zu behandelnden Areal rasiert, danach wird die Haut mit Alkohol gründlich desinfiziert individuell gestichelt und mit Paste oder Öl eingerieben.

Einreibedruck und Zeitdauer sind individuell von der Konstitution des Patienten abhängig. Die richtige Sticheltiefe liegt dann vor, wenn die Haut danach gerötet erscheint. Stets Handschuhe tragen und Schleimhautkontakt mit der Paste vermeiden. Das Areal wird mit normaler, oder hyperämisierender Spezialwatte (auch Tafelwatte) abgedeckt, über die eine Papierfolie gelegt wird. Darauf wird ein rutschfester Verband mit Pflaster fixiert. Die Wirkung der Baunscheidtbehandlung ist dann gut, wenn hirsekorngroße, klare oder mit sterilem Eiter gefüllte Pusteln oder Blasen auftreten. Sie platzen nach einigen Tagen auf oder trocknen ab. Ein Verbandswechsel ist nach 2 Tagen zur Kontrolle möglich, muß aber nicht sein. Beim Abnehmen nach 5 Tagen kann die Haut mit Mandelöl abgewischt werden.

Der Patient fühlt sich während der 5 Tage meist sehr warm, sollte sich in dieser Zeit im Bereich der behandelten Areals nicht waschen und zur Förderung der Heilwirkung unbedingt schonen. Bei schwacher Reaktion wird ggf. nach 3 Wochen nachbehandelt. Gegen Juckreiz helfen Kinderpuder oder Öltücher.

Variationen der Baunscheidtbehandlung

  • Baunscheidtieren ohne Paste, also trockene Nadelung, kann täglich wiederholt werden. Nach heutiger Ansicht ist es in dieser Form jedoch überholt.
  • Baunscheidt-Öl wird statt der Paste appliziert, wenn kein starker Ausschlag erwünscht ist, z.B. am Hals.
  • Kinder unter 10 Jahren werden nicht genadelt. Man trägt nur die Paste oder das Öl auf das Areal auf.

Nebenwirkungen

  • Juckreiz bis hin zu Schmerzen oder starken Begleitreaktionen
  • Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe der Salbe oder des Öles
  • Bei richtiger Anwendung kommt es normalerweise zu keiner Narbenbildung

Vorsicht:

  • Baunscheidtieren ist eine sehr eingreifende Methode, deswegen nicht unbedingt primär einsetzen! Den Patienten am besten mit einem Formblatt und mündlich aufklären und auf mögliche initiale Beschwerden sowie Narben und Hyperpigmentierungen (selten) aufmerksam machen
  • Sehr pigmentreiche Typen wegen des möglichen kosmetischen Nebeneffektes einer Hyperpigmentierung nicht baunscheidtieren.
  • Das in der Paste verwendete Krotonöl (croton tiglium) gilt als kokarzinogen und wird von Gegnern der Methode abgelehnt. Es gibt jedoch auch krotonölfreie Baunscheidtöle.

Nicht eingesetzt werden darf das Baunscheidtverfahren bei (Kontraindikationen):

  • Krankheiten aus dem allergischen Formenkreis, Autoaggressionskrankheiten, akutes Fieber
  • Nicht direkt über Entzündungen
  • Zurückhaltend an den Beinen baunscheidtieren, außer lokal an den Waden sehr starke Entzündung und selten auch toxische Reaktionen möglich.

 

CANTHARIDENPFLASTER

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Die Anwendung des Cantharidenpflasters ist eine Methode der Hautausleitung, indem auf der Haut Blasen hervorgerufen werden, die zur Ausleitung von schädlichen Stoffen verhelfen. Bei vielen Naturvölkern werden noch heute zur Heilung künstliche Geschwüre in die Haut gebrannt. Auch in der asiatischen Medizin ist die Kauterisation (das Brennen) fester Bestandteil. 

Mit dieser „Hautausleitung“ versucht man u.a. durch einen Reiz auf die Haut auf Organe einzuwirken. Die Methodik übt über die Haut auf das Nerven- und Zirkulationssystem eine anregende Wirkung aus, sie wirkt schmerzstillend und krampflösend. Vor der Anwendung steht die sorgfältige Diagnose.

Das Cantharidenpflaster ist mit dem Reizstoff der Spanischen Fliege benetzt. Es erzeugt nach einigen Stunden eine örtliche blasige Hautentzündung, die eventuell mit einem leichten Ziehen oder Brennen verbunden ist. Die entstandene Blasenflüssigkeit wird nach etwa 12 Stunden mit einer Spritze aufgesaugt und zur Reizverstärkung in einen Muskel injiziert.

Die behandelte Stelle wird wie eine Brandblasenwunde versorgt und abgedeckt und heilt meist ohne Narbenbildung abheilt. Oft bleiben allerdings Verfärbungen zurück. Deshalb wird aus kosmetischen Gründen mit dem Patienten abgesprochen, an welcher Stelle das Pflaster aufgesetzt werden kann. 

Besondere Beachtung verdient das Cantharidenpflaster bei der Behandlung von Arthrosen in der Hüfte, im Knie, in den Schultern,... Gicht, Rheuma, Herpes zoster (Gürtelrose); Morbus Bechterew, Narben, Tinnitus und Rückenbeschwerden.

 

BLUTEGEL IN DER THERAPIE - altes Wissen neu entdeckt

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BLUTEGEL in der GESCHICHTE:
Seit dem Altertum spielen Blutegel eine bedeutende Rolle in der Heilkunst: bereits im 5. Jahrhundert vor Christus und bei den alten Griechen und Römern war die Blutegelbehandlung ein fester Bestandteil der Medizin. Die alten Germanen verwendeten das Wort “Blutegel” synonym mit dem Wort ”Heiler”.Nach maßlos übertriebener Anwendung im 19. Jahrhundert, die fast zur Ausrottung führte, erlebten die Egel dann eine fast 100 Jahre dauernde Zwangspause, und finden seit der Mitte des 20.Jahrhunderts wieder Eingang in der Medizin: bekannt wurde der Einsatz der sensiblen Blutsauger in der rekonstruktiven Chirurgie, als das abgerissene Ohr eines kleinen Jungen durch ihre Hilfe wieder anwachsen konnte. 

BLUTEGEL und ihr IMAGE:
In unserem Jahrhundert kämpfen die Blutegel mit den Vorurteilen der Menschen: ihr schlangenförmiges Aussehen macht sie bei manchen nicht sehr beliebt. Dabei sind die kleinen Tierchen - mit offenen Augen betrachtet - richtig schön: sie haben einmalige Rückenzeichnungen aus vier roten Längsstreifen und schwimmen auffallend elegant. Auch sind sie sehr sensible Tiere: sie leben nur in reinstem Wasser und sind ausgesprochen genügsam: eine Mahlzeit reicht ihnen für 1-2 Jahre! In der Praxis stellen sie spezielle Anforderungen bei der Haltung: Größe der Behausung, sorgfältige Reinigung, Bepflanzung, Steine und Wasserqualität sind für das Wohl des Blutegels von Bedeutung.

BLUTEGEL in der NATUR:

Biologisch gesehen gehören die Blutegel zur Gruppe der Ringelwürmer, die in flachen, pflanzenreichen Gewässern leben. Sie werden bis zu 27Jahre alt. In freier Natur ernähren sie sich vom Blut von Fischen, Fröschen oder Säugetieren.

BLUTEGEL in der BEHANDLUNG:

Blutegel werden vom naturheilkundlich bewanderten Therapeuten bei vielen Leiden eingesetzt - Bedenken bezüglich einer Übertragung von Infektionskrankheiten können heute ausgeschlossen werden, da nur Tiere aus kontrollierter Zucht verwendet werden. Sie werden an gezielter Stelle eingesetzt - und zur Beruhigung aller sei gesagt, dass Blutegel sich wirklich nur an der gewünschten Stelle ansetzen!

Der Biss eines Blutegels ist nicht schmerzhaft, etwa vergleichbar mit einem Brennessel- oder Mückenstich. Der Blutegel hat Sägeleisten mit jeweils 80 winzig kleinen Kalkzähnchen, die sich durch die Haut raspeln. Zwischen den Zähnchen sind Öffnungen, durch die der Blutegelspeichel abgegeben wird. Er ist für die eigentliche Wirkung der Blutegelbehandlung verantwortlich. Während des Saugens verspürt der Patient manchmal ein leichtes Jucken; sobald der Blutegel sich satt getrunken hat, löst er sich von selbst von der Haut.

DANK an die BLUTEGEL:

Blutegel geben ein schönes Beispiele für ein ausgewogenes Geben und Nehmen in der Natur. Für Ihren Dienst am Menschen verdienen sie auch unsere Dankbarkeit.

EINSATZ der BLUTEGEL:

Blutegel hemmen die Blutgerinnung, erweitern Gefäße, stillen Schmerz, hemmen Entzündungen und verhindern Thrombose.Der Wirkstoffcocktail im Blutegelspeichel greift in geradezu genialer Weise in das komplizierte Gerinnungsgeschehen des Blutes ein. Da Blut in irgendeiner Weise mit allen Erkrankungen zusammenhängt, haben Blutegel durch den Aderlass und ihre Wirkstoffe einen breiten Anwendungsbereich: Durchblutungsstörungen, Rheuma, Gürtelrose, Tinnitus, Thrombosen, Furunkel, Nebenhöhlenentzündungen, Mandelabszess, Brustdrüsenentzündung, Gallenblasenentzündung, Depressionen, Bluthochdruck, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Schlaganfall, Angina pectoris, Bisswunden, Arthritis, Krampfadern, Lebererkrankungen, Augenleiden, Hämorrhoiden, ...Bei schweren Anämien und Bluterkrankheit verbietet sich der Einsatz dieser Therapieform.

WICHTIG für PATIENTEN:

Als sensible Tiere reagieren Blutegel auf Gerüche: Patienten sollen daher vor der Behandlung keine Cremen, Salben, Duschgels, Badezusätze oder Parfüm,... verwenden. Die Blutegel saugen nicht, wenn sie davon irritiert sind!
Da die kleinen Wunden mehrere Stunden nachbluten - was einen wichtigen Teil des Therapieerfolgs ausmacht - sollte nach der Behandlung eine Ruhezeit eingehalten werden.