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Heilmagnetismus

Aktualisiert (Donnerstag, den 30. Juli 2009 um 19:14 Uhr)

HEILMAGNETISMUS nach Dr. Franz Anton Mesmer

Der Heilmagnetismus ist eine Form des geistigen Händeauflegens, die nicht nur körperlich, sondern vor allem auch seelisch wirkt und die Lebenskraft stärkt.

1.) Geschichte des Magnetismus

Der Heilmagnetismus ist heute beinahe gänzlich in Vergessenheit geraten - dabei blickt er auf eine sehr alte Vergangenheit zurück. Das Urbild zum Magnetismus findet sich in den Mysterien vieler Kulturen. So paarten z.B. die alten Ägypter religiöse Kulthandlungen mit der Krankenheilung: sie hielten Krankheit für einen Zustand des Abgetrenntseins aus der Verbundenheit mit dem Göttlichen, sodass die erdverstrickte Menschenseele mit dem göttlichen Urquell wieder vereint werden musste.

Altägyptische Darstellung der Wiederbelebung eines Toten durch Magnetisieren

Der Glaube, wonach der Mensch die Gabe besitzen soll durch Handauflegen zu heilen, ist seit Jahrtausenden bei verschiedenen Völkern verbreitet. Man stellte sich dabei wohl vor, es gehe von der Hand eine unsichtbare Kraft aus, die auf Kranke einen wohltätigen Einfluss auszuüben imstande sei. Schon Jahrhunderte vor Beginn unserer Zeitrechnung sprachen die Hindu-Priester von dieser Kraft und bezeichneten sie als Prana. Von Indien über Mesopotamien, Syrien, Babylon bis nach Ägypten war Händeauflegen eine allgemein angewandte Behandlungsmöglichkeit, wie an den vielen typischen Darstellungen dieser Behandlungsart zu erkennen ist.

 

Im Laufe der Zeit versanken die Mysterienstätten, ihre Weisheit wurde wie die Dokumente ihrer kosmischen Verbundenheit begraben.

 

2.) Die Anfänge des Magnetismus

 

Die wohl älteste Überlieferung dürften aus der Zeit des Pharao Ramses XX (1180-1090 v.Chr.) stammen. Auf vielen Vasen, Amphoren, wie wir sie in Museen finden, sehen wir bildliche Darstellungen der magnetischen Behandlungsart.

Wie eingangs schon erwähnt, wirkten in Ägypten Priester, die für den Heilberuf ausgebildet wurden. Die Heilungen wurden überwiegend auf heilmagnetische Art erreicht. Im Tal des Nils in Theben gab es Heiltempel, die sehr berühmt wurden und einen ganz besonders hervorragenden Ruf hatten. Sie beeinflussten die Heilkunst bis ins ferne Griechenland und Rom.

 

Die Gegenwartforschung hat zahllose Zeugnisse der damaligen Kultur gefunden, z.B. das Bildwerk einer altgriechischen Mutter, die ihren Sohn mit magnetischen Strichen - so nennen wir heute jene Behandlungsart - von Kopfschmerzen befreit.

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Griechische Darstellung einer magnetischen Behandlung


Die alten Griechen heilten ihre Kranken durch Kulthandlungen und Tempelschlaf, wie er beim Magnetisieren auftritt. Die dadurch veränderte Bewusstseinseinstellung ermöglichte die Erforschung der Heilmittel der Naturreiche.

 

Immer wieder findet sich in alten Überlieferungen, dass römische Kaiser Augenleiden und Wassersucht durch Auflegen der Hände heilen konnten.

 

In der Sammlung von Storbeos heißt es, “großes Leid ist oft von geringen Schmerzen gekommen” , wobei die eingesetzten lindernden Mittel keinen Erfolg brachten. “Doch wer bitter gequält von böser beschwerlicher Krankheit mit den Händen berührt, steht plötzlich gesund wieder auf“.

 

Viele Schriftsteller der damaligen Zeit wie Aristoteles, Plutarch und vor allem Hippokrates beklagten in ihren Schriften, dass alte und bewährte Heilverfahren (wie der Magnetismus) ständig durch neue, keineswegs erprobte Methoden verdrängt werden.

 

 

3.) Christlicher Magnetismus

 

Auch das Christentum kennt die heilende Kraft der segnenden Hände; wenn aber bisher Heilungen Kranker vor allem in Mysterienstätten oder Tempeln erfolgten, so fanden diese mit Beginn des christlichen Zeitabschnittes in der Öffentlichkeit - auf Straßen, Plätzen und in Häusern - statt.

Das Neue und Alte Testament bieten eine Fülle von Berichten über Heilungen durch Worte oder Berühren mit der Hand. Von den Aposteln bis hin zur Hl. Hildegard von Bingen, die auch durch Gebet und Händeauflegen heilte, ist bekannt, dass sie sich mit dem Göttlichen verbunden haben. Ihren Händen entströmte segnende, heilende Kraft

.

 

 

4.) Magnetismus im Mittelalter

 

Auch um 11.Jh. n.Chr. heilte Bernhard von Clairvaux Tausende Blinde und Lahme. Im 14.Jh. wird die Fähigkeit, Kranke durch Berührung zu heilen, den französischen Königen zugeschrieben; auch die englischen Könige besaßen nach Darstellung ihrer Chronisten die Fähigkeit zu heilen, die sich durch Jahrzehnte hindurch dokumentiert findet. Es entbrannte ein Streit zwischen den beiden Königshäusern, welches besser heilen könnte. Von Ludwig XIV und Ludwig XV gibt es Berichte über Heilungen von Skrofulose und Ausschlag, die sie durch Händeauflegen bewirkten.

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Ludwig XV berührt einen Kranken

 

Nach geendigter Messe gieng der König in den Lust-Wald des Abts daselbst mehr als zweiytausend Kröpfigte anzurühren, welche sich in denen Wegen des Lust-Waldes in vielen Reihen gestellet hatten... Der Oberste Medicus legte seine Hand auf eines jeden Patienten Kopf und der Hertzog von Harcourt hielt ihm die Hände zusammen; der König wahr ohnbedeckt, rührte ihn an und sprach zugleich: “Dieu te guerisse, le roi te touche”..(Gott möge dich heilen, der König berührt dich).

 

In der Folgezeit waren es vorwiegend Männer der Kirche, Heilige und die Klöster, die sich der Krankenheilung annahmen. Es gibt viele Darstellungen von durch Handauflegen bewirkten Wunderheilungen. Fast jeder einzelne Herrscher, jede leitende Persönlichkeit des Altertums und des Mittelalters war für die Fähigkeit bekannt, durch Auflegen der königlichen Hand, durch einfaches Berühren organische Krankheiten, Skrofulose u.a. mit Erfolg zu heilen. In dieser Beziehung hielten besonders Kaiser Hadrian, der heilige König Olaf von Norwegen, Philipp I von Frankreich, der deutsch-römische Kaiser Karl X und Karl II von England, den Rekord. Die römisch-katholische Kirche zählt in ihren offiziellen Schriften bis zum Ende des Mittelalters 34 so genannte Heilige, die durch Handauflegen wunderartige Heilungen erreichten.

 

5.) Magnetismus in der Folgezeit

 

Auch das 16., 17.+18.Jahrhundert brachten Vorläufer der heilmagnetischen Heilkunde hervor, besonders Paracelsus schrieb über den Magneten: “Damit ihr verstehen sollt den Magneten zu gebrauchen, erkennt zuerst, dass er einen Bauch und einen Rücken hat, um an sich zu ziehen und von sich zu treiben.” Dann gibt er Anweisungen, wie verschiedenen Krankheiten therapiert werden können, z.B. wie die Menstruation gefördert oder geschwächt werden kann.

 

Ein Nachfolger der paracelsischen Lehre war Johannes Baptist von Helmond. Der niederländische Arzt schrieb in seinem Buch “Aufgang der Heilkunst”: “Wenn wir uns magnetischer Mittel bedienen, so wissen wir, das dieselben Gott angenehm sind, da sie von ihm stammen.

 

Johann Caspar Lavater, der Begründer der Physiologie, setzte sich sehr intensiv für den Heilmagnetismus ein; auch Goethe stellte fest, dass jeder Mensch diesen Magnetismus in sich hat, jedoch jeder nach seiner Konstitution verschieden stark. Er schreibt: “Der Magnetismus ist eine allgemein wirkende Kraft, ein jeder Mensch besitzt ihn, nur nach seiner Individualität etwas verschieden. Und seine Wirkungen erstrecken sich auf alles und auf alle Fälle.

 

Die magnetische Kraftwirkung des Menschen erstreckt sich auf alle Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien. Auch der Philosoph Arthur Schopenhauer bezeichnet die Wiederentdeckung des Heilmagnetismus als eine der inhaltsschwersten aller je gemachten Entdeckungen. Er sagte: ”Wer an die Tatsache des Heilmagnetismus nicht glaubt, der ist nicht ungläubig, sondern unwissend zu nennen.

6.) Franz Anton Mesmer

Franz Anton Mesmer wurde im Jahre 1734 zu Weiler bei Itznang, nahe der Stadt Stein am Rhein, geboren. Er promovierte an der Fakultät Wien zum Doktor der Medizin und eröffnete durch seine Kenntnisse in der Physik einen neuen Weg, um in die Geheimnisse der Natur einzudringen. Er entdeckte eine unmittelbar und mächtig auf die Nerven wirkende Kraft und veröffentlichte im Jahre 1780 das Prinzip und den Mechanismus, durch den diese Kraft im Universum wirkt, die auch Einfluss auf die Gestirne hat. Sie ist auch die wahre Ursache des Phänomens von Ebbe und Flut der Ozeane. Mesmer erkannte, dass diese wechselweise Wirkung allgemein auf unseren Erdball geschieht. Er hielt die Kraft so wertvoll für die Erde, wie die Atmung für tierische Lebewesen ist.

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Franz Anton Mesmer Er fand Mittel und Wege, die Einwirkungen der Natur für ein magnetisches Heilverfahren nachzuahmen und begründetet daraufhin den Mesmerismus oder animalischen Magnetismus. Er wählte den Ausdruck Magnetismus, weil er Analogien mit den Eigenschaften des Magneten im tierischen Körper beobachtet hatte. Die Kraft seines Heilverfahrens ist jedoch nicht mit dem physikalischen Magnetismus zu verwechseln. Anhänger und Schüler Mesmers in Frankreich bezeichneten seine Lehre oder das physikalische System des Magnetismus samt seiner Heilpraxis als Mesmerismus.

 

Die Kraft, die alles belebt und durchdringt, nannte er anfangs Fluidum. Dieser Nervengeist oder Nervenkraft durchdringt alle Substanzen und und wirkt wie ein Feuer auf alle belebten und unbelebten Körper. In der Erkenntnis, dass diese Kraft die gleichen Eigenschaften hat wie das Feuer, betrachtete er sie als ein unsichtbares Feuer. Er beobachtete, dass dadurch der menschliche Körper die analogen Eigenschaften des Magneten empfängt, also mit zwei entgegengesetzten Polen ausgestattet wird, die sich augenscheinlich anziehen oder abstoßen. Mesmer erklärte diese magnetähnliche Wirkung durch eine Art Ausstrahlung von Hin-und-her fließenden Strömen, die den Weltraum erfüllen und auch die Nerven durchdringen.

Er beobachtete, dass dieses unsichtbare Feuer konzentriert und auf alle belebten und unbelebten Körper bis hin zur innersten Substanz der Nerven übergeführt werden kann.

Die Ursache aller Krankheiten sieht er in einem Mangel der Reizbarkeit der Muskelfasern. Er beweist die Möglichkeit, diese Reizbarkeit durch die Anwendung seiner entdeckten Kraft wiederherzustellen, wodurch in allen Fällen Heilkrisen oder sogenannte Erstreaktionen erzeugt werden. Damit ist ein universelles Heilmittel gefunden und gleichzeitig ein Präventivmittel.

7.) Wegbereiter

Dass das ganze Weltall von einem überaus feinen Stoff erfüllt sei, der jedem Körper zuteil werde, und von einem Körper ausgeschieden auf einen anderen übertragen werden könne, hat schon der Kölner Arzt Agrippa von Nettesheim (1486-1535) 250 Jahre vor Mesmer behauptet. Ähnliche Gedankengänge klangen zur gleichen Zeit bei Paracelsus (1490-1541) an. Dieser große Revolutionär und Vordenker der Heilkunst sagt: “Es müsse etwas im Körper sein, das die Gestirne annimmt, so im Körper wirken.” Der schon erwähnte Johann Baptist von Helmond (1577-1644) dachte sich ein ganzes System astraler Influenzen in seinem Buch aus, wonach “..die materielle Natur ihre Formen täglich durch einen beständigen Magnetismus vom Himmel herunterziehe. Und dass es Gott genehm ist, sich dieser magnetischen Mittel zu bedienen. Der Magnetismus ist keine körperliche Substanz, welche man verdichten, messen oder wiegen kann, sondern es ist ein ätherischer Geist, rein, lebendig, der alle Dinge durchdringt und die Macht des Weltalls bewegt.

8.) Die Kraft der Hand

Ursache des Lebensmagnetismus ist die Nervenkraft, die über die Grenzen des Körpers reicht. Sie wird meistens über die Hand und das Auge vermittelt.

Die Hände sind eigentlich das Organ des Willens und ermöglichen dem Geist in der materiellen Welt zu wirken. Sie geben dem Willen die Richtung zur Tätigkeit. So wie der Körper die Sichtbarkeit der Seele ist, so sind die Hände und ihre Beschaffenheit die Wirkungsweise des Willens. Die Hände führen den geistigen Akt aus und so sind sie auch die natürlichsten Leiter und Fixierer der magnetischen Kraft.


Durch die aufrechte Stellung des Menschen ist die Hand ein emanzipiertes Organ, das - statt nur der Bewegung des Körpers zu dienen - zu einem umfassenden Werkzeug des Geistes wird. Durch den Tastsinn findet an der Hand und namentlich an den Fingerspitzen ein größerer Verbrauch von Nervenkraft statt und deshalb wohl auch ein vermehrtes Ausströmen des Nervenfluidums. Diese Wirkung kann nun durch den Willen erhöht werden.

Zu allen Zeiten hat man der Berührung, dem Auflegen der Hand auf kranke Teile des Körpers, eine heilende Kraft zugeschrieben - die Hand war von den frühesten Weltepochen her das Organ des Segens und des Fluches. Ein so allgemeiner, durch alle Zeiten und Völker verbreiteter Gebrauch, kann nicht nur auf bloßer Willkür oder Konvention beruhen! Er muss in der Natur des Organs selbst seine Bedeutung haben und diese beruht darin, dass die Hand das freieste Körperglied des Menschen ist und dass sie als Tastorgan zum Spender des ausströmenden Nervenfluidums bestimmt ist: instinktiv berührt der Kranke meist die schmerzhafte Stelle, die Mutter streicht das Kind und beruhigt es dadurch, Hebammen streichen über Gebärende, um Krämpfe zu lindern, Warzen werden besprochen und mit der Hand umkreist.

 

Die Hand ruht dabei entweder auf den leidenden Stellen oder auf Teilen, die von den wichtigsten Nervengebilden durchzogen sind, also hauptsächlich auf dem Kopfe und auf der Magengegend als dem Hauptsitz der Gangliennerven. Die eigentlichen Striche, die mit den Fingerspitzen oder der Handfläche geführt werden, können unmittelbar den Körper berühren oder in einiger Entfernung geschehen. Sie müssen meist von oben nach unten, vom Gehirn zu den Extremitäten geführt werden! Hier zeigt sich die Parallele zur Homöopathie und zur Hering´schen Regel.

 

Die typischen Merkmale einer magnetischen Behandlung sind magnetische Striche, das Auflegen der Hand, die Berührung mit einzelnen Fingern, jedoch auch öfter die Berührung mit den ersten drei Fingern als den magnetisch stärksten Fingern.

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Behandlung mit Fingerspitzen             Handinnenfläche entspricht dem Pluspol Die Behandlung mit der Handkante leitet ab

9.) Die Kraft des Auges

 

Neben der Hand ist es vorzugsweise das Auge, durch das der Mensch unmittelbar auf Menschen und Tiere einwirkt. Hand und Auge nehmen nicht nur, sondern geben auch, empfinden nicht nur, sondern verursachen auch Empfindungen. Während der Geschmacks-, Geruchs-, und Gehörsinn bloß aufnehmen, sind Hand und Auge zugleich handelnde, magisch wirkende Organe.

Das Auge ist ein Sehrohr, durch das die Seele erkennt, ein Spiegel, in dem sie erkannt wird, und ein Telegraph, wodurch sie die verborgensten Gefühle verkündet. Vieles ist an den Augen eines Menschen abzulesen: man flirtet mit den Augen, flunkert mit den Augen, setzt bösen Blick auf, träumt vor sich hin,...

Da die Wirkung der Nervenkraft des Magnetiseurs so unmittelbar über seine Hände oder Augen auf den Patienten erfolgt, wird seine geistige Haltung mit übertragen.

10.) Die Kraft des Atems

Ein weiteres Werkzeug, um unmittelbar auf einen Menschen einzuwirken, ist neben Händen und Augen der Atem. Die Luft ist das allgemeinste und unentbehrlichste Erhaltungsmittel des Lebens.

Der Odem wirkt bei dem Magnetismus nicht allein durch Wärme, sondern auch als Leiter der organischen Kraft und durch den sie bestimmenden Willen und Seelenzustand.

Auch der Einsatz des Atems zu Heilzwecken ist altbekannt: Mütter “pusten” ihren Kindern die Schmerzen weg, Plinius empfiehlt das Hauchen auf die Stirn als Heilmittel (Plinii hist. I. 28. c. 6. ), das Erysipel (Rotlauf) wurde durch “Anblasen“ therapiert und gleichzeitig besprochen: “Wildes Feuer hüte dich, das gut Feuer treibe dich.” All dies sind magnetische Behandlungen.

11.) Behandlung

Mesmer lehrte seine Schüler die Technik einer speziellen Strichführung - mit seiner Methode ermöglicht er die gezielte Behandlung von Krankheiten. Er wendet dabei anregende oder ableitende Verfahren an und behandelt örtlich oder allgemein. Die Bewegungen der Hände bzw. die Verfahrenstechniken erzeugen dabei unterschiedliche Wirkungen.

Die magnetische Behandlung wird nicht allein aus der erforschten Krankengeschichte und dem Sitz der Krankheit bestimmt, sondern nach Art der Krisenzeichen: sie entscheiden, ob die Behandlung aktiv oder abwartend erfolgt.

Die Behandlung richtet sich dabei auf eine Versetzung der Krankheit auf eine andere Stelle hin; sie ist immer ein gutes Zeichen der Wirksamkeit. Dadurch entstehende und oftmals heftige Zuckungen oder Krämpfe, die Mesmer Krisen nannte, mögen den Unkundigen sehr erschrecken. Der Patient fühlt die danach aber sehr wohl und befreiter als zuvor; er kann sich oft nach der Behandlung nicht an irgendwelche Zuckungen und dergleichen erinnern.

Als Ursache aller Krankheiten sieht Mesmer eine Verstopfung, Stockung oder Unterdrückung der Zirkulation in irgendeinem Teil des Körpers, in dem die Blut- und Lymphgefäße und Nervenzweige zusammengedrückt werden, was eine Spannung, bzw. Krampf oder Schmerz im betroffenen Teil verursacht.

 

Bei der Auflösung einer solchen Stockung entsteht ein so genannter Kampf der Natur, woraus sich die Krise entwickelt. Mesmer unterschied in jeder Krise drei Zustände:

1.) Beunruhigung: das ist eine Anstrengung der Natur gegen den Widerstand der Krankheit

2.) Kochung: Fieber

3.) Ausleerung: betroffenen Stockungen wurden aufgelöst und zu natürlichen Ausführungskanälen gebracht (z.B. Lymphe, Darm, Lunge)

 

Da die Erlöschung der Bewegung in den Gefäßendie allgemeine Ursache aller Krankheiten ist, kann keine Krankheit geheilt werden ohne eine Krise hervorgebracht zu haben. Der Patient empfindet die Krise als Kälte, Wärme, Schwere, Schmerz, Fieber und durch unwillkürliche Bewegungen (Konvulsionen, Zuckungen). Genauso zählte der Schlaf zur heilsamen Krise.

 

Jede Krankheit bringt also sichtbare Wirkungen während der Behandlung (Symptome) hervor:
  • fieberhafte Zustände
  • Krämpfe
  • häufig wiederkehrende Entzündungen, die aber eben so rasch verschwinden wie sie gekommen sind
  • gewöhnlichen Aussonderungen, z.B. Schweiß bei Gichtkranken, Diarrhöen bei Wassersüchten (Aszites, Anarsarka,..), starker Speichelfluss bei Epilepsien

 

Wenn diese Wirkungen durch die Ursache der Krankheit hervorgebracht werden, so nennt man sie symptomatische Zufälle. Wenn es aber eine Wirkung gegen die Ursachen der Krankheit ist, nennt man sie kritische Zufälle. Zu Heilung ist es sehr wichtig, die Krankheitssymptome aufzuhalten während die kritischen Zufälle gefördert werden müssen.

Die Kunst zu heilen lässt sich in zwei Heilgebote unterteilen:

1.) die Hindernisse zu vermindern oder zu beheben

2.) die Verrichtungen der Natur durch eine fortgesetzte, sanfte, harmonische Anwendung der magnetischen Ströme zu vermehren

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Behandlung

Zunächst wird die Lebenskraft (Nervenfluidum) von den der Großhirnrinde unterstehenden Funktionen abgeleitet und dem vegetativen Nervensystem (sympathische Nerven) zur Verfügung gestellt: das Wachbewusstsein schläft ein, das Unbewusste übernimmt die Funktion. Das Gehirn mit seiner willkürlichen Organisation repräsentiert den bewussten positiven Pol, während das Vegetativum den unbewussten negativen Pol darstellt, der vor allem im Bauchgangliensystem zu finden ist (Solarplexus).

 

Nun wird die Lebenskraft je nach Krankheit beruhigt oder angeregt. So ist zum Beispiel bei einer spastischen Lähmung die Lebenskraft im gelähmten Bereich gestaut, überfüllt. Die Behandlung erfolgt daher ableitend, während es bei einer schlaffen Lähmung an Lebenskraft fehlt und diese deshalb zugeführt werden muss.

 

 

12.) Schlafzustände

 

Zwischen Schlaf und Wachen, zwischen Traum und Tag ist die Seele in einem Zwischenland. Das bewusste Denken ist noch ausgeschaltet und alle Sinne sind auf das Äußerste geschärft und dehnen sich zu unvorstellbaren Weiten aus. Dann kann es geschehen, dass er innere Sinn erwacht und zum Empfang oder zur Sendung an eine gleichgestimmte Seele sich mitteilen kann.

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Neben den physischen Zeichen entstehen meist auch psychische, die entweder durch die gewöhnliche Behandlung von selbst oder durch absichtliche besondere Behandlungsverfahren entstehen.

Es sind vor allem die verschiedensten Schlafzustände, die beobachtet werden und sich mehr oder weniger nach der Entwicklung der inneren Sinnestätigkeit zeigen. Sie alle hier aufzuführen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen - ich möchte an dieser Stelle nur die wichtigsten Seelenäußerungen in magnetischen Schlaf kurz erwähnen:

1.) Schlafwachen

2.) Sonmabulismus

3.) Traumleben/Nachtwandeln

4.) Hellsehen (Clairvoyence)

Beim Somnabulismus z.B. ist die sinnlich wahrnehmbare Außenwelt für den Somnbabulen unterdrückt. Dennoch hat der Somnabule Wahrnehmungen und ein Bewusstsein. Der Somnabulismus verrät uns also eine den äußeren Sinnen verborgene Seite der Wirklichkeit und eine verborgene Seite unseres eigenen Wesens. Die Wirklichkeit ragt also über die Sinnlichkeit hinaus, und der innere Mensch über sein Selbstbewusstsein. Darin liegt die ungeheure Bedeutung des Somnabulismus. Er läßt Probleme wieder aufleben, die der Materialismus und die Wissenschaft begraben zu haben wähnten.: das Problem des Jenseits und unsere Eingliederung in dasselbe mit einem Teil unseres Wesens. Der instinktive, allen Religionen gemeinschaftliche Glaube, dass es eine übersinnliche Welt gibt und dass wir selbst übersinnlicher Natur sind, wird also bestätigt. Das Jenseits ist nur der jenseits unserer Sinne liegende Teil des Diesseits, und der Somnabulismus verleiht uns bis zu einem gewissen Grade das Bewusstsein des Jenseits und unserer Seele. Begriffe wie Hellsehen, Hellhören, Hellfühlen,... als erhöhter Geisteszustand des Wahrnehmens, Sehens, Hörens, Riechens,... sind eine dem gewöhnlichen Begriff- und Sprachgebrauch sehr widersinnig erscheinende Bezeichnung, weshalb die konservativen Wächter des Heils und der Wissenschaft diese Bezeichnungen verwerfen. Gewohnt, nur Kadaver zu studieren, stehen sie hinter ihrem so hohen Berg von Vorurteilen, dass sie das Licht der Hellseher nicht erreicht.

Das Sehen entfernter Gegenstände, Lesen verschlossener Briefe, das Auffinden verlorener Gegenstände,... sind Erscheinungen, die sich im somnabulen Zustand jederzeit ergeben können und sich in unzähligen Büchern von hochrangigen Ärzten, Wissenschaftlern, Theologen,…. wieder finden.

 

 

13.) Wirkung

 

Um die Wirkung des sowohl geistig als auch seelisch und körperlich wirkenden Magnetismus zu verstehen, hilft folgendes Bild: die äußeren Sinne (Auge,..) werden durch einen inneren Sinn ergänzt - damit dieser innere Sinn erwachen kann, werden die äußeren Sinne Stück für Stück ausgeschaltet: der Mensch registriert immer weniger von seine Umwelt (Sinne) und nimmt dafür mit seinen inneren Sinnen die Umgebung wahr, in viel feineren Nuancen. Dabei kann auch ein inneres Hellsehen, Hellhören, Hellfühlen entstehen. Auch hierbei ist die Polarisierung zu beobachten: äußerer und innerer Sehsinn als je ein Pol.

Im physischen Schlafzustand schläft der äußere Sehsinn ein, während der innere erwacht und Traumbilder schafft, die nicht von außen beeinflusst sind, sondern aus dem Inneren kommen (Seele, Unbewusstes). Hierbei reflektiert der Patient sich selbst und seine Umgebung aus einem völlig neuen Blickwinkel, der klarer und reiner ist, weil er nicht von Bewusstsein, Verstand, Kritik und Vorurteilen beeinflusst ist. Man könnte auch sagen, der Mensch erwacht innerlich, und schaut ganz vorsichtig in den Himmel hinein.

 

Der Heilmagnetismus nach Mesmer ist also eine komplexe Behandlungsart, die einer umfassenden Schulung bedarf. Sie geht deutlich über intuitives Auflegen der Hände hinaus und erfordert vom Therapeuten fachliches Können als Fundament, auf dem eine persönliche Entwicklung stattfinden kann und soll. Eine erfolgreiche Behandlung setzt voraus, dass der Therapeut in seiner geistigen Haltung ruht und mit seinem friedfertigen und humorvollen Wesen den Rapport zu seinem Patienten aufbauen kann, aber gleichzeitig so gefestigt ist, dass er Übertragung und Gegenübertragung (körperlich und geistig) beobachten kann ohne von ihnen eingenommen zu werden.